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Pressestimmen zur Produktion 2005:
Das Recht des Lehnsherrn
Dörfliche Turbulenzen
Johann P. E. Martini, der Komponist (1741-1816), der nicht mit dem berühmten Lehrer Padre Martini identisch ist, hat im Neuburger Jesuitenseminar seine musikalische Ausbildung erhalten. .... Sein größter Bühnenerfolg war jener „Lehnsherr“, der 1783 für das Theater von Fontainebleau entstand, sein bis heute bekanntestes Musikstück aber eine kleine Romanze: „Plaisir d’amour“. Vladar hat sie in seine Inszenierung als hübsche Beilage eingefügt. Musikalisch aber hat das Stück die Einlage eigentlich gar nicht nötig. Denn es birgt genügend eigene Perlen: gleich zu Beginn eine zauberhafte Orchesterintroduktion, die die Morgenstimmung eines Dorfes durch bildhafte Instrumentation überaus anschaulich einfängt, gefolgt von kunstvoll auskomponierten Ensembles und abwechslungsreichen, mehrfach von feinen Instrumentalsoli begleiteten Arien. Das Stück zeigt ein Dorf im vorrevolutionären Frankreich. Es brodelt schon leicht zwischen einfacher Bevölkerung und Adel, doch der Konflikt wird noch zu aller Zufriedenheit gelöst. ...... Mit liebenswürdigem Charme entfaltet Horst Vladar auf der pittoresken Bühne von ULRICH HÜSTEBECK ein idyllisches Treiben, in dem sich das Ensemble singdarstellerisch aufs Beste bewährt. MARINA SPIELMANN macht mit vokalem Liebreiz und natürlichem Spiel auf sich aufmerksam. HRISTOFOR YONOV lässt einen eleganten Tenor hören, dem auch die erregten Koloraturen seiner Arie keinerlei Schwierigkeiten machen. RAINER WEISS gibt dem Grafen baritonale Wärme und Autorität, MICHAEL HOFFMANN und ELMAR GOEBEL bieten gewitzte Komik. Das für die Produktion zusammengestellte Orchester unter der Leitung von ALOIS ROTTENAICHER überzeugt in den solistischen Aufgaben und bereitet den Sängern ein respektables Orchesterfundament.
- Karin Coper- in ORPHEUS Januar 2006
"Martinis Musik ... sprüht vor allem in den Details vor Originalität und Verspieltheit. .... Mit entsprechendem Augenzwinkern
führt Alois Rottenaicher das Orchester des Akademischen Orchesterverbandes München durch schwungvolle drei Akte. .... Vladar
zeichnet einen hübsch anzusehenden Bilderreigen, der zusätzlich von Ulrich Hüstebecks sonnigem Bühnenbild profitiert.
Die nahtlos eingefügten Dialogpassagen sind durchweg witzig, wobei sich besonders Elmar Goebel als lateinische Sentenzen dreschender
Amtsvogt hervortut. Komödiantisches Talent beweisen auch Michael Hoffmann als frecher Freund des Bräutigams sowie Ulrich Löns
und Karl-Heinz Ottinger als ein klein wenig tollpatschige Dienerschaft. In Erinnerung bleiben weiter die sauber eingerichteten Massenszenen
mit über 30 Beteiligten, die der Chor auch stimmlich hervorragend meistert." - Donaukurier Ingolstadt, 2. August 2005
"In Martinis komischer Oper, die in Neuburg sehr werkgetreu aufgeführt wurde, kommen die geforderte Natürlichkeit der Charaktere und
die Einflüsse der damaligen Zeit eindrucksvoll zur Geltung. Das Rumoren im Volk vor der Revolution wirkt authentisch. Mozarts um 'Figaro'
bereits anklingendes Ansinnen scheint von Martini vorweg genommen zu sein. Szenen dieses Musiktheaters, wie das Ringen Juliens (Georg Thaller)
um seine Braut Babet (Marina Spielmann), die Sorge der Eltern (Horst Vladar und Ursula T. Maxhofer), das Einschreiten des Grafen (Rainer Weiss)
gegen die Absicht seines Sohnes (Hristofor Yonov), der die Braut im Sinne seines Feudalrechtes examinieren wollte, sowie die Auflehnung des Volkes,
die nur ein gesetzestreuer Amtsvogt (Elmar Goebel) besänftigen kann .... vom Publikum konzentriert mitverfolgt .... finden einen nachhaltigen
und facettenreichen Ausdruck." - Augsburger Allgemeine Zeitung, 25. Juli 2005
„Le droit du seigneur“ beginnt mit einer äußerst melodiösen und spritzigen Ouverture, die das Erwachen eines Dorfes
schildert, bei dem verschiedene Tiere durch Instrumentalisten aus dem Orchester nachgeahmt werden. In jährlicher Tradition besteht das Orchester
aus Mitgliedern des Akademischen Orchesterverbandes München, das in vorbildlicher Weise von Alois Rottenaicher geleitet wird. Die Regie
von Horst Vladar und die Bühnenbilder von Ulrich Hüstebeck waren einfach, jedoch sehr farbig, so dass sich niemand darüber ärgern
musste, was in den meisten Opernhäusern heutzutage sehr wohl der Fall ist. Dieses wiederentdeckte Perlchen von Martini quillt über
von prächtigen Ensembles und äußerst sangbaren Chorsätzen. Schon viele Jahre waren wir in Neuburg dabei, doch noch nie hörten
wir den Chor auf so hohem Niveau. Der Chor war so oft eingesetzt, dass man von einer Choroper sprechen könnte. Die Sänger, unter ihnen
mehrere Getreue früherer Kammeroper-Produktionen, sorgten für sehr geschmackvolle Leistungen, nicht allein bei ihren Arien, sondern
auch bei den gesprochenen Texten. Das jugendliche Paar, das sich vor dem Vorrecht des „jungen Grafen“ in Acht nehmen musste, bestand
aus dem überraschend klaren Tenor Georg Thaller und der überaus hübschen Sopranistin Marina Spielmann."
W.V. (Veröffentlicht am 28.7.2005) bei der belgischen Internet-Opernzeitung:
http://home.tiscali.be/to.operagazet/artikels/de/neuburg.htm
"Wie lange „Le droit du seigneur“ auf keiner Bühne mehr erschienen ist, dürfte kaum festzustellen sein. Es hatte sich nach
der Uraufführung zwar über 25 Jahre im Repertoire gehalten, doch nach dem Tod des Komponisten 1816 geriet es wohl bald in Vergessenheit.
Um so verdienstvoller, dass die Neuburger Kammeroper das Stück jetzt reanimiert hat: ein weiteres Glied in der langen Kette vergessener
Opern der Zeit zwischen etwa 1750 und 1830, die dort seit 1969 auf die Bühne gekommen sind. Das ganze Unternehmen geht auf die Initiative
des Sängers, Schauspielers und Regisseurs Horst Vladar zurück, der in Neuburg aufgewachsen ist. ...
Schon dafür gebührte der Kammeroper Aufmerksamkeit – und eigentlich müssten sich Intendanten und Dramaturgen in Neuburg
die Klinke in die Hand geben: Unter den Ausgrabungen von Spohr bis Naumann, von Grétry bis Isouard dürfte wohl das eine oder
andere lebensfähige Stück zu finden sein. „Le droit du seigneur“ jedenfalls kann man sich durchaus auch auf einer
größeren Bühne vorstellen. Dass die Ausstrahlung der Neuburger Kammeroper bis heute kaum über die Region hinausreicht,
ist aber vielleicht auch den bescheidenen Mitteln geschuldet, mit denen die Werke realisiert werden müssen. Das hübsche, aber
sehr kleine Theater, das 1869 in den ehemals herzoglichen Getreidekasten hinein gebaut wurde, bietet auf der Bühne nur die elementarsten
Einrichtungen. Horst Vladar ist ein erfahrener Theaterpraktiker – und er versucht, das beste daraus zu machen. Das Ganze hat den
Charme, aber auch die Beschränkungen einer Liebhaberaufführung. Im Graben sitzt ein Amateurorchester – der akademische
Orchesterverband München -, und das macht sich natürlich bei der Intonation wie bei der Koordination bemerkbar. Unter der Leitung
von Alois Rottenaicher wird aber frisch und temperamentvoll musiziert, was im übrigen auch für den wohl einstudierten, aus Neuburger
Laiensängern gebildeten Chor gilt, der auf einer Bühne mit bunt bemalten Kulissen und Prospekten von Ulrich Hüstebeck agiert.
Bei den Sängern, die ihre Parts zwischen „ganz ordentlich“ und „so gerade eben“ bewältigen, sind Abstriche
zu machen. Herausragend allerdings die junge Sopranistin Marina Spielmann, die in der Rolle der Braut Babet ihre glockenreinen
hohen Töne
nur hie und da ins Spiel bringen konnte, aber grundsätzlich mit klar und sicher geführter Stimme und sorgsamer Artikulation
für sich einnahm." - Deutschlandfunk, 25. Juli 2005
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